• Bottmingen - wo man lebt und arbeitet

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Gedanken zum 1. August 2020

Leider fällt der traditionelle Anlass zum 1. August in Bottmingen aufgrund der Covid-19-Schutzmassnahmen in diesem Jahr aus. Ihre Rede zum 1. August hält Gemeindepräsidentin Mélanie Krapp daher als Videobotschaft, die Sie auf unserer Website anschauen (/wAssets/videos/Video16-07-20.mp4) und im Folgenden auch nachlesen können.

Mélanie Krapp

Geschätzte Einwohnerinnen und Einwohner von Bottmingen

Es sind Sommerferien, und ich schreibe nebenbei meine Packliste für ein verlängertes Wochenende. Neu sind zwei Artikel drauf, an die ich früher nie gedacht hätte:Schutzmasken und Desinfektionsspray. Dieses Jahr ist wirklich alles anders. Corona, ein Thema, das den Alltag von uns allen fast von einem Tag auf den anderen verändert hat. Ein Thema, das die ganze Welt bewegt. Der Grund, weshalb viele die Ferien in der Schweiz verbringen und sich vielleicht auch den einen oder anderen Gedanken darüber machen, wie es ist, in der Schweiz zu leben.

Wenn wir die Gespräche führen mit Einwohnerinnen und Einwohnern, die das Schweizer Bürgerrecht beantragt haben, stellen wir u.a. die Frage nach Traditionen und Brauchtum. Wenn der 1. August genannt wird, haken wir nach. Was wird denn da gefeiert? «Der Geburtstag der Schweiz», ist oft die spontane Antwort.

Damals, 1291, erneuerten die Waldstätte Uri, Schwyz und Unterwalden 1291 im Anschluss an den Tod des römisch-deutschen Königs Rudolf I. von Habsburg ein älteres Bündnis, in dem sie sich gegenseitige Hilfe zusicherten gegen alle, die ihnen Gewalt oder Unrecht antun wollten. Das wurde im Bundesbrief Anfang August 1291 schriftlich festgehalten, womit der Bundesbrief als ältestes Verfassungsdokument angesehen wird.

An der öffentlichen 1. August-Feier in Bottmingen ist es üblich, nach der Rede zum 1. August die Nationalhymne zu singen. Traditionsgemäss singen wir dabei zuerst die 1. Strophe aus dem «Schweizerpsalm» und sozusagen als zweite Strophe den neuen Text, der im Rahmen eines ausgeschriebenen Wettbewerbs der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft 2016 zur Uminterpretation der Landeshymne als Sieger hervorgegangen war. Es ist der Text von Werner Widmer, der den Wettbewerb gewonnen hatte und der sich inhaltlich stark an der Präambel unserer Bundesverfassung ausrichtet. Meine folgenden Gedanken möchte ich an diesen Text anlehnen:

„Weisses Kreuz auf rotem Grund,unser Zeichen für den Bund:Freiheit, Unabhängigkeit, Frieden.Offen für die Welt, in der wir leben,woll'n wir nach Gerechtigkeit streben.Frei, wer seine Freiheit nützt,stark ein Volk, das Schwache stützt.Weisses Kreuz auf rotem Grund,singen alle wie aus einem Mund. „
1291 war es die damalige Bedrohungslage, die dazu führte, dass sich die Waldstätte gegenseitige Unterstützung versprachen. «Weisses Kreuz auf rotem Grund,unser Zeichen für den Bund.“ Eine vergleichbare militärische Bedrohungslage zu damals besteht heute zum Glück nicht. Aber es gibt genug Herausforderungen, denen wir mit vereinten Kräften besser begegnen können. Auf internationaler Ebene zeigt sich das im Zusammenwirken der Schweiz mit anderen Ländern in Organisationen, wie z.B. der UNO, dem Europarat oder der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit. Aber auch im kleineren Rahmen lohnt sich die gemeinsame Lösungssuche. Mit dieser Zielsetzung haben sich in diesem Jahr die Leimentaler Gemeinden, also auch Bottmingen, zum Verein Region Leimental plus zusammengeschlossen. Erstes spürbares Resultat daraus ist die Erweiterung der Trägerschaft für das Gartenbad Bottmingen. Finanziell und strategisch wird das Gartenbad jetzt nicht nur von Binningen, Bottmingen und Oberwil sondern neu auch noch von Therwil und Biel-Benken getragen und damit langfristig gesichert.

Wenn wir Einbürgerungswillige fragen, warum sie gerne die Schweizer Staatsbürgerschaft erlangen möchten, wird oft lobend das politische System der Schweiz genannt. Die Möglichkeit, sich einzubringen und mitzubestimmen, aber auch die Freiheit und den Frieden: «Freiheit, Unabhängigkeit, Frieden…“. Was im Hymnentext so gepriesen wird, bezieht sich auf die Verfassung von 1848, mit der der Grundstein für die heutige Schweiz gelegt wurde.

Auch wenn wir aufgrund von Covid-19 in diesem Jahr wahrscheinlich eher zurückhaltend sind mit Auslandreisen, würden wir Schweizer Einwohnerinnen und Einwohner uns wohl als „offen für die Welt in der wir leben“ bezeichnen. Das Schweizer Volk setzt sich ja selber aus ganz verschiedenen Kulturen und Sprachen zusammen, und auf diese „Einheit in der Vielfalt“ sind wir stolz. Wir haben gelernt, Unterschiedlichkeiten zu respektieren und mit ihnen umzugehen, und nach aussen sind wir der Neutralität verpflichtet. Damit ist die Schweiz bekannt für ihre diplomatische Vermittlungstätigkeit bei Konflikten in der Welt und steht als Schutzmacht für Drittländer zur Verfügung, die ihre Beziehungen abgebrochen haben.

Wir sind aber nicht unabhängig vom Rest der Welt. Auch das wird in der aktuellen Covid-Zeit sichtbar. Durch die weltweite Mobilität sind auch wir in der Schweiz so lange vor einer Ansteckung gefährdet, als dass das Virus in anderen Ländern grassiert. Und wir sind nicht autark, d.h. wir sind auf Lebensmittelimporte angewiesen, was man in den letzten Monaten anhand von leeren Regalen im Supermarkt erleben konnte. Unsere Wirtschaft floriert nur so lange, als dass unsere Produkte auf dem Weltmarkt abgesetzt werden können und solange wir Zwischenprodukte aus anderen Ländern für die Weiterverarbeitung erhalten. Geht es dem Rest der Welt gut, profitieren wir davon. Wir sind Teil eines grossen Mobilés.

Wollen wir Wohlstand für unser Land sichern, dann geht das nicht, ohne ganzheitliches Denken. „Woll’n wir nach Gerechtigkeit streben“, wie es in der Hymne heisst, dürfen wir das Thema Nachhaltigkeit nicht nur einer politischen Gesinnung überlassen. Denn Nachhaltigkeit anzustreben, heisst, Verantwortung zu übernehmen für die ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen unseres Handelns, und zwar im Sinne der Präambel unserer Bundesverfassung: « … in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,…, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, … im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen …».

Seit 1997 legt der Bundesrat alle vier Jahre seine politischen Schwerpunkte bezüglich nachhaltiger Entwicklung fest. Im Moment wird diese Strategie mit Zielsetzungen auf den Zeitpunkt 2030 ausgerichtet. Bei der Umsetzung soll auch den Gemeinden eine tragende Rolle zukommen. In Bottmingen steht Nachhaltigkeit bereits auf der Agenda des Gemeinderats.

„Frei, wer seine Freiheit nützt, stark ein Volk, das Schwache stützt.“ Diese Strophe steht fast symbolisch für die aktuelle „Corona-Zeit“. Einerseits wurde der Lockdown zum Schutze von gefährdeten Mitmenschen erlassen. Andererseits hat der Lockdown viele Gewerbetreibende dazu gezwungen, ihre unternehmerische Freiheit auszuloten, um alternative Arbeitsformen, Absatzmöglichkeiten und Lösungen für das Überleben ihrer Firma zu finden. Trotz aller Freiheit und guten Iden, trotz Unterstützungsgeldern von Bund und Kantonen kann der Lockdown vor allem langfristig vielen Betrieben noch zum Verhängnis werden und lässt schon jetzt Arbeitslosenzahlen und Sozialhilfegesuche ansteigen.

In der Schweiz waren im Jahr 2018 knapp 8% der Wohnbevölkerung von Einkommensarmut betroffen. Dies entspricht rund 660‘000 Personen. Gemeinsam mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat das Kantonale Sozialamt eine gesamtheitliche Strategie zur Verhinderung und Bekämpfung von Armut im Kanton Basel-Landschaft erarbeitet. Darin werden fünf Handlungsfelder definiert. An erster Stelle steht das Handlungsfeld Bildung. Wir können in der Schweiz stolz sein auf unser gutes öffentliches Bildungssystem. Aber noch immer haben nicht alle die gleichen Voraussetzungen, davon zu profitieren. Dem möchte man im Leimental u.a. mit der in diesem Sommer startenden sprachlichen Frühforderung bei Kleinkindern begegnen. Alle Kinder und Jugendlichen sollen die gleichen Chancen auf Bildung haben. «Stark ein Volk, das Schwache stützt». Doch wir wissen, dass Bildung alleine nicht reicht. Oft sind es auch Schicksalsschläge, die Menschen in die Armut drängen und dann ist die Unterstützung durch den Staat – zumindest vorübergehend - unausweichlich.

Die heutige Schweiz entwickelte sich über mehrere Jahrhunderte zur heutigen Struktur. Diese ist gut durchdacht, von Einbürgerungswilligen bewundert und geschätzt. Aber alle Regeln und Gesetze sind nur so gut, wie sie von uns Menschen gelebt werden. Und sie müssen auch immer wieder hinterfragt und an die Herausforderungen der Zeit und der Welt angepasst werden.

Gut, dass man sich in der Schweiz kritisch einbringen und mitreden kann.

„Weisses Kreuz auf rotem Grund,singen alle wie aus einem Mund.“
Ich wünsche Ihnen einen schönen 1. August, in diesem Jahr auch ohne öffentliche Feier und hoffentlich bei bester Gesundheit!
Mélanie Krapp
Gemeindepräsidentin

 

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